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Interview mit Suzan Zeichner:
„Dieses Haus gehört dem König!“

14.09.2019 - Suzan Zeichner: Sybilla Meilhaus im Musical „Ludwig²“ im Festspielhaus Füssen - ausführliches Interview

„Dieses Haus gehört dem König“ sagt eine, die es wissen muss: Suzan Zeichner. Seit der Uraufführung des Musicals „Ludwig²“ begeistert die gebürtige Australierin als Sybilla Meilhaus, König Ludwigs Erzieherin. Wir trafen eine warmherzige, engagierte und kluge Frau zu einem bewegenden Gespräch über den König und sein Festspielhaus, über fliegende Federn und die Folgen von Verwandtschaftsbesuchen.

suzan zeichner 01

Können Sie sich noch an Ihre erste Vorstellung als Sybilla Meilhaus erinnern?
Oh ja. Unsere Premiere fand am 11. März 2005 statt, im Festspielhaus Neuschwanstein, wie es damals noch hieß. Normalerweise kann ich mir Jahreszahlen nicht so gut merken, aber in diesem besonderen Fall schon. Das Datum ist Geschichte: Am einem 11. März wurde König Ludwig II. inthronisiert. Nur ein paar Jahre früher, 1864. Aber eigentlich erinnere ich mich immer viel mehr an Gefühle, daran, wie ich mit den kleinen Wiggerls umgegangen bin, wie jeder einzelne auf seine Art besonders war.

Wissen Sie noch, wer Ihr erster Wiggerl war?
Aber natürlich. Unser Premierenkind war Maximilian Pabst, die zweite Premiere spielte Philipp Sattelberger. Ich kann mich an alle Wiggerls erinnern.

Emotionale Momente beim „Wiggerl“-Treffen

Haben Sie auch alle wiedererkannt? Es gab ja aus Anlass Ihrer 500sten Vorstellung in dieser Rolle am 4. August 2019 ein „Wiggerl“-Treffen in Ludwigs Festspielhaus in Füssen.
Es sind tatsächlich 14 der ehemaligen und aktuellen Wiggerls gekommen, darunter fünf, die in den Jahren 2005 und 2006 den kleinen Prinz Ludwig gespielt haben. Jetzt standen junge Männer vor mir. Einige habe ich trotzdem sofort erkannt, bei anderen brauchte ich eine kleine Hilfestellung: Ich habe mir den Anfangsbuchstaben des Vornamens nennen lassen. Dann hat’s sofort gezündet und die Erinnerung an die Zeit damals war wieder präsent. Es war ein wunderschöner, sehr emotionaler Tag.

suzan zeichner kleine wiggerls 01Bestehen noch Kontakte zu den Ex-Wiggerln?
Interessanterweise kommen sie zurück zu mir. Einige haben mich hier in Füssen besucht und sich eine Vorstellung von „Ludwig²“ angeschaut. Max Scheidl beispielsweise hatte gehört, dass ich wieder spiele und kam 2016 mit seiner ganzen Familie ins Festspielhaus. Fast wie früher war das, denn die Kinder haben natürlich auch immer ihre Angehörigen dabei. Max wollte unbedingt ein Foto von seiner Familie, mir und ihm auf der Treppe. Natürlich habe ich das gerne gemacht. Später hat er mir diese Aufnahme geschickt – und dazu das gleiche Foto, nur aus dem Jahr 2005. Das hat mich sehr bewegt.

Das klingt nach sehr emotionalen Bindungen, die da entstehen.
Ja, das stimmt. Ich hänge an allen Kindern, mit denen ich als Sybilla Meilhaus auf der Bühne stand. Ich bin trotz meines Bühnenberufs ein sehr privater Mensch. Theater bedeutet Vertrautes. Was hier entsteht, ist fürs Leben. Ich bin selbst nicht Mutter und habe trotzdem mittlerweile fast 40 Jungs. Und genau wie im Leben ist es nicht einfach, sie gehen zu lassen.

Wann ist das der Fall? Gibt es Vorgaben seitens der Produktion?
Es gibt eine Größenvorgabe. Die Kinder dürfen mir maximal bis zur Nase gehen, was eh‘ schon ein bisserl groß ist. Es gibt auf der Probenbühne eine Linie, wie zu Hause, wenn man die Größe seiner Kinder misst. Wenn die Jungs wachsen, rückt die Linie und damit der Tag des Abschieds näher. Zuerst kommt natürlich immer die Idee, dass ich doch einfach höhere Schuhe tragen könne. Naja… dann bin ich ein bisschen auf die Fußspitzen gegangen und der Wiggerl hat sich ein bisschen kleiner gemacht. Zwei, drei Vorstellungen kann man die letzte gemeinsame Aufführung so vielleicht noch hinauszögern, aber mehr geht nicht. Wenn die unwiderruflich letzte Show da ist, hat der Darsteller des kleinen Ludwig immer einen Wunsch bei mir frei. Das macht den Jungs und auch mir das Abschiednehmen leichter. Aber einmal bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen…

suzan zeichner kleine wiggerls 02Warum?
Damals haben zwei Brüder, David und Fabian Blaha, abwechselnd den Wiggerl gespielt. Die Jungs wollten unbedingt, dass ich mit ihnen Kajak fahre. Du meine Güte! Die haben sogar einen Lehrer engagiert, mit dem wir auf einem See geübt haben. Bevor man eine Kajaktour macht, muss man aus Sicherheitsgründen das Rollen und Rausschlüpfen trainieren, damit die Veranstalter wissen, dass man das beherrscht. Mir war gar nicht wohl bei der Sache, aber ich hatte es versprochen, also hab‘ ich es getan.

Sind Sie auch beim Kindercasting involviert?
Als das Musical 2011 in der BigBox in Kempten aufgeführt wurde, war ich auch Executive Producer und somit natürlich am gesamten Produktionsprozess beteiligt. Beim Kindercasting war ich sowohl damals als auch im Jahr 2016 involviert, als Benjamin Sahler „Ludwig²“ über das Crowdfunding wieder zurück ins Festspielhaus holte.

Wie läuft so ein Casting ab?
Natürlich ist auch ein Vorsingen dabei, aber ich beginne immer mit einer Improvisation. Dabei erkennt man sehr schnell, ob ein Kind in der Lage ist, zu reagieren, etwas aufzunehmen und zurückzugeben. Das ist ganz einfach wie im Leben: Geben und Nehmen. Natürlich fällt man nicht gleich durchs Raster, wenn das anfangs noch nicht so gut klappt. Wir machen Übungen, damit die Jungs Vertrauen aufbauen. Wichtig ist, dass sie spüren, dass sie nichts falsch machen können. Es gibt keine Fehler, niemand schaut zu, wir sind unter uns. Dann müssen wir einfach schauen, was entsteht.

suzan zeichner 500ste show 02Ich erkläre den angehenden Wiggerls immer, dass es unsere einzige Aufgabe ist, den Menschen zu zeigen, wie innig die Freundschaft zwischen Ludwig und seiner Erzieherin war. Wir gehen durch dick und dünn miteinander, wir vertrauen uns gegenseitig und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Was auch immer auf der Bühne passiert, diese tiefe Bindung müssen sie rüberbringen. Dafür ist Teamwork wahnsinnig wichtig. Ich neige deshalb eher dazu, Kinder zu wählen, die Freude daran haben, gemeinsam etwas zu erarbeiten, als Kinder, die sich nur auf einer Bühne präsentieren wollen. Es gab mal einen Jungen, der zu fast jeder Show von bestimmt 30 Familienmitgliedern begleitet wurde. Während der Vorstellung hat er immer sie angeschaut. Das geht natürlich nicht.

Auch größer als 1,50 Meter dürfen die Jungs nicht sein. Das kann wirklich problematisch werden. Das Casting findet ja immer ein paar Monate vor der Premiere statt und Kinder können auf einmal einen Wachstumsschub bekommen. Wenn der Wiggerl plötzlich einen Kopf größer ist, fehlt das Kindliche, das aber für die Rolle des Kronprinzen Voraussetzung ist. Manchmal sind auch Zwölfjährige beim Casting dabei, die eher schon Teenager sind und denen das „Gekuschel“ mit der Erzieherin, das ja zur Rolle gehört, eher unangenehm ist. Dann funktioniert es nicht. Der Kronprinz darf durchaus auch mal forsch sein, aber unbedingt auch zuckersüß.

Was tun Sie, wenn die Kinder vor der Vorstellung nervös sind?
Wie man mit Nervosität umgeht, ist sehr individuell, jedes Kind reagiert anders. Ich probe vor jeder Vorstellung ungefähr eine halbe Stunde mit dem Wiggerl und versuche, auf das Kind einzugehen. Eine Prise Liebe und Zuneigung ist immer dabei. Auch Neues einzubauen, ist ein gutes Mittel. Ängstlichen Kindern versuche ich, die Aufregung zu nehmen, andere muss ich ein bisschen bremsen. Wenn der kleine Ludwig Sybilla bittet, ihn mit ins Theater zu nehmen, darf das nicht fordernd klingen, sondern er muss sie um den kleinen Finger wickeln.

Also so, wie es der kleine Darsteller auch im Alltag bei seinen Eltern probiert?
Genau (lacht). Sybilla Meilhaus war ja eine Art Ersatzmutter für Ludwig, der ein kränkliches Kind war. Als er acht Monate alt war, starb seine Amme und Sybilla Meilhaus wurde als seine Erzieherin engagiert. Sie blieb knappe acht Jahre bei ihm. Das Unglaubliche an der Geschichte ist, dass König Ludwig II. noch bis zu Sybillas Tod engen Kontakt zu ihr hielt, also fast 30 Jahre lang. Das ist der Hammer!

suzan zeichner backstage 01Faszination König Ludwig II.

Das klingt, als seien Sie auch von den realen Personen fasziniert…
Ja, natürlich. Wer wäre das nicht? Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich Sybilla. Diese Rolle ist ein großes Geschenk und zugleich eine ungeheure Verantwortung. Beides mache ich mir immer wieder aufs Neue bewusst. Ich liebe es, echte Menschen zu spielen. Da gibt es so viel zu entdecken und zu recherchieren. In späteren Jahren wurde Sybilla fast zu einer geheimen Muse für König Ludwig II., es gab einen regen Briefwechsel. Als Sybilla gestorben war, hat Ludwig ihren Mann gebeten, ihm die Briefe zurückzuschicken, die er an sie geschrieben hatte. Er hat das dann tatsächlich getan. 82 Briefe sind so erhalten geblieben. Ludwig hat diese Briefe oft mit „dein ewig treuer, liebender Ludwig“ unterschrieben. Mein Gott, da ist ein Brief dabei, in dem er schreibt, dass er den Platz gefunden hat, an dem er Schloss Neuschwanstein bauen wird und Sybilla um ihre Meinung dazu bittet. Ist das nicht unglaublich? Diese Briefe sind ein solcher Schatz, auch laut Sybillas Mann, Baron von Leonrod, „ihr theuerster Schatz“. Übrigens existieren auch noch einige von Sybillas Briefen an Ludwig.

Im Ernst? Das ist ja großartig.
Ja, nicht wahr? Und kaum jemand weiß davon. Bis vor kurzem wusste ich es selbst auch nicht. Zu meiner 500sten Vorstellung war dann Albert Meilhaus zu Gast, der Urgroßneffe von Sybilla. Er hat mir die Briefe gezeigt. Dass ich so einen direkten Einblick in die realen Gespräche der historischen Persönlichkeiten nehmen kann, ist wunderschön und tief bewegend. Ebenso wie mein Besuch an der Gedenkstätte am Starnberger See.

votivkapelle berg koenig ludwigWaren Sie an der Votivkapelle in Berg?
Ja, genau. Bis heute steht an der Stelle, an der König Ludwig II. umgekommen ist, ein Kreuz im See. Von Anfang an war Ludwigs Todesstelle gekennzeichnet, zuerst mit einem Zweig, dann mit einem kleinen Holzkreuz, das immer wieder von königstreuen Menschen aus dem Volk erneuert wurde. Ludwigs Mutter ließ 1887 eine Totenleuchte am Ufer aufstellen. Im Jahr 1900 wurde die von Prinzregent Luitpold beauftragte König Ludwig Gedächtniskapelle eingeweiht.

Als ich letztes Jahr gegen fünf Uhr nachmittags dort ankam, war zwar das Tor offen, aber hineingehen konnte ich nicht, weil es durch ein Gitter versperrt war. Ich stand also da und starrte durch dieses Gitter in den Raum. Ich war dem König noch nie so nah. Er WAR in diesem Raum. Es hätte ihm da gefallen. Dieser Ort strahlt eine tiefe Stille aus, eine Großzügigkeit, eine schlichte Schönheit. Ich stand da und fühlte eine innere Freude für den König, weil er diesen Raum ganz für sich alleine hat. Zugleich konnte ich seine Einsamkeit und seine Trauer erspüren. Instinktiv fing ich an, leise für mich „Mein Ritter“ zu singen. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Mir sind die Tränen nur so heruntergeflossen. „Ich bin da, ich beschütze dich“ wollte ich ihm sagen. „Mein Ritter schlaf und träume…“ – es ist alles gut. Das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde und den ich nur erlebt habe, weil es das Musical „Ludwig²“ gibt. Diese Kapelle ist für mich wirklich ein magischer Ort.

So wie Schloss Neuschwanstein, wenn man das Glück hat, es ohne die üblichen Menschenmassen zu erleben?
Ja. Anfang 2005 war unser ganzes Ensemble zu einer privaten Führung dort. Wir konnten jede Menge Fragen stellen und haben vieles erfahren. Am Schluss haben wir im Sängersaal das große Finale des Musicals gesungen. Natürlich haben wir alle geweint, das ging ja gar nicht anders.

Das werden wohl alle nachvollziehen können, die sich mit der Thematik befassen. Kannten Sie sich als gebürtige Australierin auch schon damit aus, bevor Sie das Rollenangebot bekamen?
Ich wusste natürlich von Schloss Neuschwanstein und dass König Ludwig II. für verrückt gehalten wurde. Erst später wurde mir klar, wie sehr man ihn verkannt hat. König Ludwig II. war hochsensibel und äußerst intelligent. Aber zum damaligen Zeitpunkt war ich natürlich noch nicht so mit der Thematik vertraut wie jetzt.

suzan zeichner backstage 02Aber Sie sind trotzdem für diese Rolle von Australien nach Füssen gekommen?
Ja. Ich habe zuvor viele Jahre in Wien als Musicaldarstellerin gearbeitet und ging dann aus familiären Gründen zurück in meine australische Heimat. Ich war noch gar nicht lange dort, als ich einen Anruf eines ehemaligen Produzenten erhielt, der fragte, ob ich für die Rolle der Sybilla Meilhaus vorsingen möchte. Ich habe weniger als eine Sekunde gebraucht, um ja zu sagen.

Aber warum? Sie kannten doch das Stück noch nicht, oder?
Nein, das Stück nicht. Aber ich kannte das Produzententeam, zu dem damals auch Janet Chvatal gehörte. Wir haben in Wien zusammen gearbeitet. Sie war genau wie die Produzenten Gerd und Darlene Fischer der Ansicht, dass ich die Stimme, die Wärme und das Herz für diese Rolle habe. Ich hatte zu allen dreien absolutes Vertrauen und bin im Oktober 2004 nach Füssen gereist. Ich habe vorgesungen und dann – wollte der Regisseur mich nicht.

Wie bitte?
So war das, ja. Conall Morrison wollte mich nicht. Den Grund weiß ich bis heute nicht. Ich kann nur spekulieren: Conall stammt aus Irland und im angelsächsischen Raum werden Ammen oft matronenhaft dargestellt. In dieses optische Bild habe ich wohl nicht gepasst. Na super, nun hatte ich also gar keinen Job. Ich ging erst einmal wieder nach Wien. Fünf Tage später – die Proben waren schon angelaufen – kam die Nachricht, dass ich nun doch die Erstbesetzung übernehmen dürfe. Mein Triumph kam am Premierenabend in Form einer Karte vom Regisseur. Conall hat sich bei mir entschuldigt und geschrieben, er sei sehr stolz auf mich und ich wäre die perfekte Besetzung. Diese Karte habe ich heute noch (lacht).

suzan zeichner 02Wie gut, dass er in diesem Fall seine Entscheidung revidiert hat.
Oh, das hat er auch bei einigen sehr skurril angelegten Szenen getan. Beispielsweise gab es beim „Familienkrach im Hause Wittelsbach“ einen meterlangen Riesentisch, an dem Marie, Max und der kleine Ludwig beim Abendessen saßen. Viel größer als in der aktuellen Inszenierung und noch dazu auf einer ziemlich schrägen Ebene, auf der auch der Apfel ganz gerne mal weggerollt ist (grinst). Ganz zu Anfang rannten wir alle, auch Sybilla, auf dem Tisch mit Messer und Gabel hintereinander her. Naja, dann haben sich die damaligen Gesellschafter eine Probe angeschaut und ihr Veto eingelegt. Es war wirklich zu viel. Aber man hat sich geeinigt. Es war Conall Morrisons Stil, zu überziehen. Wenn man eine Inszenierung skurril anlegt, muss man das von vorne bis hinten durchhalten, damit es in sich stimmig ist.

Was er dann zusammen mit Bühnenbildner Gerd Friedrich realisiert hat, war im Ergebnis einfach grandios. Die sich bewegenden Wandbilder, der fallende rote Vorhang, den es ja auch heute noch gibt, und der Wechsel zwischen dem kleinen und dem großen Ludwig hat einem wirklich den Atem geraubt. Auch nach Jahren hat das Musical „Ludwig²“ nichts von seiner Magie verloren. Das verwundert nicht, denn die Kompositionen von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine sind zeitlos schön und berührend. In Verbindung mit Rolf Rettbergs poetischen Texten ist etwas ganz Besonderes entstanden.

Das war damals ein „fliegender Wechsel“…
Genau. Der kleine Ludwig wurde hochgezogen, während zeitgleich der große Ludwig kopfüber von oben hinunterschwebte. In der Mitte haben sie sich an der Hand gefasst und in die jeweils andere Richtung gedreht. Während ich „Mein Ritter“ gesungen habe, musste ich den kleinen Wiggerl mit dem Karabiner einhaken. Die Choreographin wollte damals, dass ich das mit einer Hand mache. Aber mal ehrlich: Mit so einer Verantwortung geht man nicht leichtfertig um. Bevor ich den Bub losgeschickt habe, musste ich hundertprozentig sicher sein, dass alles stimmt und er nicht runterfallen wird. Ich habe deshalb immer mit beiden Händen den Haken geschlossen, gezogen und gerüttelt, um sicher zu sein, dass auch wirklich alles fest ist. Während ich mein Solo gesungen habe, wohlgemerkt. Technische Pannen kann man nicht ausschließen, aber man muss für größtmögliche Sicherheit sorgen.

suzan zeichner 500ste show 01Ist bei dieser Szene trotzdem auch einmal etwas schief gegangen?
Ab und zu hat das Hochziehen nicht geklappt. Dann musste ich den kleinen Ludwig wegtragen. Das erste Mal, als das passierte, war der Junge nicht gebrieft, er wusste also nicht, dass er sich ein bisschen festhalten sollte. Er war schwer wie ein Sack Kartoffeln. Aber unser damaliger Schattenmann, Bruno Grassini, war ganz Gentlemen. Er hat in dieser Szene auch einen Diener gespielt. Als die Panne wieder einmal passierte, kam er nach vorne und hat unseren Wiggerl für mich getragen. Ich erinnere mich auch an die Sache mit der Feder…

Welche Feder?
Jemand kam auf die Idee, eine weiße Feder an den herunterschwebenden Karabinerhaken zu hängen, damit das ganze hübscher aussieht. Ich singe also mein Solo und sehe, wie das ganze Publikum plötzlich wie gebannt in die Höhe starrt (lacht). Jetzt ist das lustig, aber damals war es dramatisch. Es war wochenlange Überzeugungsarbeit nötig, bis das Ding endlich wieder entfernt wurde.

Überzeugungsarbeit war auch nötig, um das Stück 2016 wieder auf die Bühne zu holen, oder?
Auf jeden Fall. Sehr, sehr viele Menschen wollten, dass der König zurück ins Festspielhaus kommt. Und Benjamin Sahler hat einfach losgelegt und es mit einem sehr erfolgreichen Crowdfunding geschafft, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Suzan Zeichner: Von Australien an den Forggensee

Hätten Sie gedacht, dass „Ludwig²“ wieder aufgeführt wird und Sie dann Ihre fünfhundertste Show spielen?
Ich wusste, dass das Stück irgendwann einmal wiederkommen wird, weil es einfach viel zu gut ist, um für immer zu verschwinden. Dieses Musical konnte man nicht für alle Zeiten begraben. Die „Faszination Ludwig²“ entsteht meiner Meinung nach aus einer Kombination von drei Dingen: Die Musik ist wunderschön. Die Texte sind wunderschön. Und die Geschichte bewegt die Menschen. 2016 kannte ich Benjamin Sahler noch nicht. Ich hatte nur gehört, dass er den Versuch wagen wollte, das Musical wieder auf die Bühne zu bringen. Dafür gebührt ihm große Anerkennung, denn einfach war und ist das alles wirklich nicht. 2016 wurde meine Terminplanung dann auch noch richtig kompliziert.

suzan zeichner backstage 03Inwiefern?
2016 fand auch die Uraufführung von „Der Schwanenprinz“ statt, das von Janet Chvatal und Marc Gremm geschriebene und produzierte Musical, das auf einem Schiff auf dem Forggensee spielt. Ich habe geweint, als ich das Playback vom Lied der Königin Marie ersten Mal gehört habe, so sehr berührte mich Nic Raines Komposition. Ich wusste, ich muss dieses Lied singen und diese Rolle spielen. Als Janet mich fragte, ob ich als Königin Marie und Hexe Kundry dabei sein möchte, habe ich sofort zugesagt. Und am gleichen Tag kam noch ein Anruf – mit der Frage, ob ich wieder Sybilla bei „Ludwig²“ spielen möchte.

Wirklich, genau am selben Tag?
Ja. Ich konnte es selbst kaum glauben. Natürlich wollte ich unbedingt wieder Sybilla sein, aber ich hatte Janet ja bereits zugesagt. Ich halte meine Versprechen: Wenn ich ja sage, heißt das ja. Aber sowohl Janet und Marc als auch Benjamin Sahler waren sehr kooperativ. Alle zusammen ermöglichten, dass ich beide Stücke parallel spielen konnte. An manchen Tagen war das wirklich knapp. Einmal hatte ich nach der „Ludwig²“-Matinee keine Zeit, bis zum Füssener Bootshafen zu gehen, um dort für den „Schwanenprinz“ einzuchecken. Also hat das Schiff mich am Festspielhaus-Anleger abgeholt. Ich bin im Bademantel im Laufschritt raus und habe erst vorne am Ufer bemerkt, dass ich noch verkabelt war. Man kann sich meine Panik vorstellen, oder?

Ja klar. Was haben Sie gemacht?
Zum Glück waren ein paar Spaziergänger am See unterwegs. Ich habe einfach Kabel und Mikroport einem Passaten in die Hand gedrückt und ihm zugerufen, er möge das doch bitte zum Portier am Bühneneingang zurückbringen (lacht). Vielleicht war das ein bisschen leichtsinnig, aber das Schiff konnte ja nicht ewig auf mich warten. Zumindest war es sehr spontan. Und spontane Problemlösungen sind mir noch nie schwergefallen (grinst).

Das ist ein gutes Stichwort, auch für Ihren künstlerischen Werdegang, oder?
Ja, in gewisser Weise schon. Ich bin gebürtige Australierin und habe in Melbourne Musik und Gesang studiert (Anm. der Redaktion: und den Bachelor of Creative Arts mit Auszeichnung in „Performance“ abgeschlossen), habe also sowohl eine Bühnenausbildung als auch die Ausbildung zur Musiklehrerin. Direkt nach dem Studium habe ich zwei Jahre an einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder unterrichtet. Während dieser Zeit wurde der Wunsch immer stärker, meine österreichischen Wurzeln zu erkunden. Mein Vater stammte aus Österreich. Kurz nach meiner Ankunft in Wien habe ich andere Künstler kennengelernt und mit ihnen gemeinsam die vierköpfige Musical-Gruppe „By Chance“ gegründet. Auch in einer Rockband habe ich damals gesungen und da auch mal auf einer Kuhglocke richtig Radau gemacht.

Das kann man sich gar nicht vorstellen.
(lacht). Ja, das denke ich mir. Die Band hieß „Exciting Café“ und außer mir waren noch sieben Männer dabei. Wir waren sogar auf Tour. Richtig erfolgreich war aber die Gruppe „By Chance“. Unsere eigenproduzierten Shows wurden auch vom ORF ausgestrahlt. Bei der letzten, „116 Jahre Musical in Wien“, saß der Assistent des Musikalischen Leiters der Vereinigten Bühnen Wien im Publikum. Der Musicalchef selbst saß zuhause vor dem Fernsehapparat. Und ich bekam am nächsten Tag einen Anruf mit der Frage, ob ich nicht mal im Raimund Theater vorbeikommen wolle. Auf dem Programm stand „A Chorus Line“, es war drei Tage vor der Premiere und alle Rollen waren natürlich besetzt. Sie haben mich gefragt, ob ich bereit sei, hinter der Bühne im Chor mitzusingen. Ich sagte zu. So bescheiden begann meine Karriere als Musicaldarstellerin. Es ging nur um drei Lieder. Diese habe ich am Nachmittag gelernt, und am Abend stand ich schon direkt neben dem Orchester mit den anderen Chorsängern hinter der Bühne. Der Sound dort war unerträglich. Wenn ein komplettes Orchester direkt neben dir spielt, kannst du kaum richtig intonieren, weil du dich nicht hörst. Wir haben es aber hingekriegt – und ich war einmal mehr begeistert von der Musicalwelt. Eigentlich hat man mir damals geraten, es doch mal an der Volksoper zu probieren, ich hatte ja eine klassische Gesangsausbildung. Ich wollte aber mehr denn je viel lieber Musical machen.

Ein Verwandtschaftsbesuch, der 15 Jahre dauerte...

suzan zeichner 500ste show 03Wie ging es dann weiter?
Ich bin nach Österreich gekommen, um meine Verwandten kennenzulernen und am Schluss stand ich da und spielte die Kaiserin von Österreich. Zwei Jahre lang durfte ich die Titelrolle im Musical „Elisabeth“ spielen, es war eine unbeschreiblich schöne Zeit. So eine Reise gibt es in kaum einem anderen Musical: Die Rolle beginnt mit leichtem Sopran und der gerade fünfzehnjährigen Sisi. Man begleitet sie durch die oft dramatischen und auch tragischen Situationen ihres Lebens, bis zu ihrer Ermordung, als sie 60 Jahre alt war. Ich habe damals das Produktionsteam ganz schön ins Schwitzen gebracht.

Warum?
Ich habe mich geweigert, die Musik zu lernen. Ich wollte diese Frau zuerst verinnerlichen. Ich musste sozusagen mit Sisi schwanger werden und erst als ich soweit war, lernte ich die Lieder. Jeder dachte, das wird knapp. Ich wusste, dass es nicht knapp war. Ich lerne nicht ein Lied und entscheide dann, wie ich es singen muss. Ich bin ein Gefühlsmensch und war so in Sisis Gedankenwelt eingetaucht, dass ich beim jedem Lied einfach wusste, wie ich es singen wollte bzw. sollte. Kopf- und Bruststimme habe ich gemischt, je nachdem, was ich zu sagen hatte und wie der Szenenzusammenhang war. Ich habe diese wunderbare Rolle sehr gerne gespielt. Als ich ging, hat der künstlerische Leiter geweint. Ich auch!

Wohin ging Ihre Reise dann?
Ich bin aus privaten Gründen nach Australien heimgekehrt. Das Theater an der Wien auf eigenen Wunsch zu verlassen, war rückblickend betrachtet schon ein bisschen leichtsinnig. Ich glaube, ich habe damals gar nicht so richtig realisiert, was ich erreicht hatte. Was als Verwandtschaftsbesuch geplant war, hat 15 Jahre gedauert und mir außer Kaiserin Elisabeth viele weitere tolle Rollen wie beispielsweise Cosette in der Deutschen Erstaufführung von „Les Misérables“ oder Marta in „Kuss der Spinnenfrau“ beschert.

suzan zeichner 500ste show 04Als ich nach Westaustralien zurückkam, hatte ich zunächst keinen Job. Ich habe dann mein erstes Soloprogramm entwickelt. Das kam beim Publikum gut an und danach kamen viele ganz unterschiedliche Engagements: Tanz, Gesang, Schauspiel und sogar eine Auszeichnung als Schauspielerin des Jahres im Jahr 2001. Natürlich habe ich mich darüber sehr gefreut. Aber ich stehe nicht auf der Bühne, um jemand zu sein. Ich muss singen. Klar, man kann auch in der Badewanne singen, aber wenn man in sich den Wunsch spürt, dann passt es schon ganz gut, das auch auf einer Bühne zu tun. Ich liebe es einfach. Ich erzähle Geschichten mit meiner Stimme und hoffe, dass ich noch lange die Möglichkeit dazu haben werde. Musik ist was fürs Herz. Sie ist für die Menschen. Das wusste auch König Ludwig II. Er hatte ein Herz für die Menschen. Zum Beispiel hat er ja wirklich seine Arbeiter weiter bezahlt, wenn sie krank waren. Damals war das ein völliges Novum. Wie oft habe ich den Part der Sybilla Meilhaus jetzt schon gesungen, aber ich nehme nichts für selbstverständlich, sondern versuche, immer wieder einen neuen Ansatz zu finden.

Wie gelingt Ihnen das?
Zum einen natürlich, indem ich mich mit dem Leben der historischen Personen beschäftige und immer wieder Neues entdecke und erfahre. Dies alles fließt in meine Darstellung ein. Zum anderen finde ich auch in der Arbeit mit unserem Musikalischen Direktor Florian Appel immer Inspiration. Unabhängig vom Probenplan arbeiten wir immer schon im Vorfeld zusammen. Florian ist großartig. Ich habe schon mit vielen Dirigenten gearbeitet, aber er hat eine Ruhe, eine Musikalität und ein Verständnis für alle Elemente, die zusammenwirken, die außergewöhnlich ist. Ich weiß, wenn er da unten dirigiert, kann nichts passieren. Er hält uns zusammen und ermöglicht uns, immer unser Bestes geben zu können.

Obwohl kein Liveorchester spielt, ist der Dirigent also wichtig?
Aber ja. Ich merke nicht einmal, dass da kein Orchester spielt. Du kannst ein Orchester haben, aber wenn ein unfähiger Dirigent davorsteht, kann man das ganze Orchester vergessen. Man braucht in dieser Position jemanden, der führen und stützen kann. Und Florian kann das ganz wunderbar. Ich fühle mich bei ihm immer sehr gut aufgehoben.

Hier lebt das Andenken an König Ludwig II.

suzan zeichner lesung 01Bis Ende September sind Sie noch in Füssen dabei, richtig?
Ja. Bis Ende September spiele ich alle Vorstellungen. Es gibt ja viele Besetzungen für die Rolle. Ich werde immer das Original bleiben, aber wir sind nicht bei der Formel 1. Meiner Meinung nach ist immer diejenige, die auf der Bühne steht, an dem Tag auch die Erstbesetzung. Eigentlich wollte ich ja vor zwei Jahren schon aufhören, aber dann sagte ich mir, wenn der König noch 30 Jahre lang mit Sybilla Briefe gewechselt hat und ich jetzt „erst“ 14 Jahre dabei bin, dann kann ich besten Gewissens weitermachen. Also habe ich mir diese zwei Monate gewünscht. Natürlich weiß man, wie alt Ludwigs Kinderfrau war, aber ich denke, wichtiger als das Alter ist, die Rolle überzeugend darzustellen.

Was Ihnen mit Bravour gelingt.
Dankeschön. Ich habe das Glück, dass ich immer noch hier sein darf, und das, obwohl man mich ja anfangs gar nicht wollte (lacht). Für diese Saison wollte ich aber noch etwas Besonderes bieten, wenn ich schon extra für diese zwei Monate aus Australien rüberkomme.

Sie sprechen Ihre Lesungen an…
Richtig. Ich lese aus dem Buch „Ludwig II. - Briefe an seine Erzieherin“. Autorin Gisela Haasen wurde Einblick ins Geheimarchiv der Wittelsbacher gewährt und sie hat 1995 ein Buch herausgebracht, in dem einige der 82 Briefe von Ludwig II. an Sybilla Meilhaus abgedruckt sind. Diese Briefe sind so wertvoll, dass ich sie unserem Publikum nahebringen wollte. Also habe ich Gisela Haasen angerufen und um Erlaubnis gebeten, aus ihrem Buch zu lesen. Sie hat sich richtig gefreut. Die zusätzliche Arbeit nehme ich gerne auf mich. Ich möchte nichts dafür, deshalb ist der Eintritt auch kostenlos. Die Premiere war eine unglaublich emotionale Begegnung, auch Albert Meilhaus und seine Frau Silvia waren dabei. Mir ist es wichtig, diese Schätze zu bewahren, bekanntzumachen und so auch zu zeigen, wie wertvoll das Musical „Ludwig²“ ist, nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als Verbindung zwischen der Historie und den heute noch lebenden realen Personen.

Die Lesung findet am 21. September 2019 zum vorerst letzten Mal statt. Treffpunkt: 17.45 Uhr, im Foyer im 2. Stock von Ludwigs Festspielhaus. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht erforderlich.

suzan zeichner festspielhaus 01Aufgrund der aktuellen Situation des Festspielhauses kann man nur hoffen, dass das Haus und das Stück weiterhin am Forggensee Bestand haben. Wie sehen Sie das?
Wieder einmal steht man vor der Frage, ob das Festspielhaus erhalten bleiben kann und man weiß nicht, wie es weitergeht. Es wurde ein Förderverein gegründet, der mithelfen soll, Lösungen und Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Ich wünsche mir so sehr, dass hier ein Umdenken stattfindet. Dieses Haus gehört weder den Barberinos, die es erbaut haben, noch den von Poccis, die Miteigentümer waren, oder Fischers oder dem heutigen Eigentümer Manfred Rietzler. Dieses Haus gehört dem König! Es wurde gebaut, um ihn zu ehren. Das Problem ist, dass es damals keinen Finanzplan gab, dass niemand genau wusste, wie dieses riesige Haus auf Dauer finanziert werden kann. Man hat es einfach gebaut – und gehofft.

Fast wie König Ludwig II. selbst, oder?
Ja, ich finde auch, dass man da durchaus Parallelen ziehen kann. Ludwig war ein Bauherr mit großen Visionen und er liebte die Natur. Seine Bauplätze hat er mit Gefühl und dem Blick fürs Ganze ausgesucht. Er würde dieses Haus lieben. Die Architektur ist exquisit, die Lage direkt gegenüber von Schloss Neuschwanstein einmalig schön. Das Festspielhaus ist ein Juwel. Aber die Erhaltungskosten sind so hoch, dass sich das Haus sogar bei ständig ausverkauften Vorstellungen nicht komplett selbst tragen kann. Wenn man mit einem Veranstaltungsort kein Geld verdient, muss man entweder schließen oder Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

Ich habe das Glück, dass ich viele Jahre in einem subventionierten Theater gespielt habe. Wien ist eine Kulturstadt, wir hatten jeden Tag volles Haus. Und trotzdem ist auch dort der Spielbetrieb ohne Subventionen nicht möglich. Man kann künstlerische Qualität anbieten, aber man muss diese auch bezahlen. König Ludwig II. hat Richard Wagner finanziert und wurde deshalb angefeindet. Heutzutage wird aber niemand mehr anzweifeln, dass dadurch der Nachwelt ein kultureller Schatz hinterlassen wurde. Dieses Haus braucht Geld. Jeder von uns ist bereit, seinen Teil beizutragen, nimmt beispielsweise längere Anfahrtswege in Kauf, weil die Unterkünfte weiter draußen günstiger sind. Aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein.

regenbogen schloss neuschwanstein 01Letztlich braucht es die Querfinanzierung durch ein Hotel und am besten außerdem Subventionen vom Bund, vom Land und der Stadt. Die Idee, ein Hotel zu bauen, um den Kulturbetrieb zu stützen, liegt doch auf der Hand. Sie wurde schon andernorts erfolgreich umgesetzt. Ich verstehe wirklich nicht, warum Manfred Rietzler deshalb so angefeindet wird. Er und seine Frau Lisa hatten nie geplant, einmal ein Theater zu besitzen. Sie haben sich in das Haus und unser Musical verliebt und möchten es erhalten. Manfred Rietzler hat genug Geld, er ist gewiss nicht auf Gewinne aus dem Festspielhaus angewiesen. Aber er möchte auch nicht auf ewig privates Vermögen zuschießen – wer würde das schon?

Ich habe nichts gegen die Menschen, die den Hotelbau ablehnen. Ich bitte nur darum, dass man die Sache auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Hat Ludwig nicht genug gelitten? Der König würde weinen, wäre er heute noch am Leben. Hier, genau hier in dieser Region, hat König Ludwig II. gelebt und seine Schlösser gebaut, zu denen heute Millionen von Touristen aus aller Welt pilgern.

Das Festspielhaus ist mehr als ein Theater. Es ist ein heutiges Schloss. Hier lebt sein Andenken, hier wird er immer noch verehrt wie kaum ein anderer Monarch.

Dieses Musical kann man nicht umbringen. Wir lesen hier doch kein Buch vor! Wir lassen wichtige Protagonisten und Stationen in Ludwigs Leben auf der Bühne Revue passieren, damit die Menschen auch heute noch seine Träume und Visionen nachempfinden können. Und ist es nicht genau das, was wir alle heutzutage so nötig brauchen? Träume und Hoffnung, damit wir gemeinsam eine gute, lebenswerte Zukunft haben.

Dieses Haus gehört dem König. Und ich bin glücklich und stolz, ein Teil davon zu sein. Lasst es uns gemeinsam erhalten.

Interview: Sylke Wohlschiess

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