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Rockende Sage auf der Burg:
Rezension "Artus - Excalibur" in Tecklenburg

Nebelschwaden wabern durch die Tecklenburger Burgruine, keltische Klänge erfüllen das Gemäuer, Kämpfer dringen durch die Tore der Burg und schlagen mit Schwertern und Knüppeln aufeinander ein. Solche Szenen dürfte es selbst im Mittelalter auf der Tecklenburger Burg, die einst zur Kontrolle eines wichtigen Handelswegs errichtet wurde, nicht gegeben haben. Nun aber bietet die Ruine den perfekten Handlungsort für das Musical "Artus - Excalibur" von Frank Wildhorn und Ivan Menchell.

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Zwar sind die Freilichtspiele Tecklenburg bekannt dafür, dass sie ihre einzigartige Kulisse für jedes Musical perfekt einzusetzen wissen, doch hat wohl außer "Camelot" im Jahr 2005 kein Stück so extrem gut auf die Burg gepasst wie "Artus - Excalibur". Hausbühnenbildnerin Susanna Buller hat dazu hochwertige und funktionale Kulissen entworfen, die sich hervorragend in die Burgmauern integrieren und so – gerade auch im Zusammenspiel mit dem Lichtdesign – für ein stimmiges Bild sorgen. Während die Burgtore und die verbindende Altane das Schloss Camelot darstellen, symbolisiert ein Aufbau auf der linken Bühnenseite das Reich von Artus’ Gegenspieler Loth von Orkney. Für die weitere Optik sorgen das Maskenbild von Elke Quirmbach und die zeitgemäßen Kostüme von Karin Alberti, so dass das Abtauchen ins Mittelalter perfekt gelingt.

Ein schweres Päckchen zu tragen hatte gewiss Regisseur Ulrich Wiggers, der aus dem schwachen Buch von Ivan Menchell eine starke Inszenierung gestemmt hat. Dank nuancierter Personenregie und perfektem Timing schafft es Wiggers, jedem noch so kleinen Charakter eine Persönlichkeit zu verleihen. Außerdem wurden etliche Längen der Buchvorlage ausgemerzt, Szenen gekürzt oder verlegt, so dass ein stringent erzählter, tempo- und actionreicher Handlungsverlauf entstanden ist, der nur ab und zu durch ein paar pathetische Szenen ausgebremst wird. Aufgewertet wird die Inszenierung durch die ausgeklügelte Choreografie von Kati Heidebrecht und die sehenswerten Kampfszenen von Klaus Figge.

Zu begeistern vermag auch die durchweg exzellente Cast – allen voran Armin Kahl als Artus. Mit kräftiger wie klarer Stimme intoniert er seine anspruchsvollen Songs bravourös. Doch schauspielerisch gelingt ihm der Wandel ebenfalls perfekt: Artus wird eher unfreiwillig König, verliebt sich in Guinevere, lässt sich von Rachegefühlen überfallen und entwickelt sich schlussendlich zu einem würdigen Herrscher Britanniens. Dieses Auf und Ab in Artus’ Gefühlswelt visualisiert Armin Kahl äußerst authentisch, weshalb ihn das Publikum zu Recht feiert.

artus 01In der Rolle der Guinevere kann Milica Jovanovic überzeugen, weil ihr unbeschwertes Schauspiel – vor allem bei der ersten Begegnung zwischen Artus und Guinevere – herrlich erfrischend ist und ihre Gesangsdarbietungen immer auf den Punkt sind. Mit Songs wie "Ein neuer Tag" und "Wo ging die Liebe hin" hat sie zwar äußerst schwülstige Herzschmerzballaden zu singen, doch interpretiert sie diese absolut perfekt.

Das musikalisch krasse Pendant zu Guinevere ist Morgana. Die verbannte Halbschwester von Artus, die sich heimlich mit schwarzer Magie beschäftigt hat, wird normalerweise von Roberta Valentini gespielt, die krankheitsbedingt in der besuchten Vorstellung aber durch Sabrina Weckerlin vertreten wurde, die bereits bei der Uraufführung von "Artus - Excalibur" in St. Gallen als Morgana auf der Bühne stand.

Ohne nennenswerte Proben ist Weckerlin in Tecklenburg ins kalte Wasser gesprungen und liefert eine Leistung par excellence ab. Wann immer sie auf der Bühne ist, beherrscht sie die gesamte Szenerie. Ihr Auftreten ist stark, ihr Schauspiel perfekt und ihr Gesang atemberaubend. In der harten Rockballade "Sünden der Väter", die in Tecklenburg vom ersten in den zweiten Akt verlegt wurde, läuft Sabrina Weckerlin einmal mehr zu Hochtouren auf und drückt die Zuschauer mit ihrer schmetternden Stimme in die harten Holzbänke des Zuschauerraums. Großartig!

artus 02Etwas ruhigere, aber nicht minder kraftvolle Töne darf dagegen Kevin Tarte mit seinem Solo "Der Heiler" anschlagen. Als Zauberer Merlin singt er mit voluminöser sonorer Stimme, während er in dem Duett "Begehren" neben Sabrina Weckerlin richtig aufdreht und stimmlich einen tollen Kontrast zu seiner ruhigen Eingangsnummer bietet. Schauspielerisch ist er als Artus’ Wegbegleiter ebenfalls hervorragend – anfangs ein einfacher Mann, ein von der Natur gezeichneter Druide, später der um seine Kräfte beraubte Magier.

Als Lancelot spielt Dominik Hees den klassischen Liebhaber, darf aber nicht nur schmachtende Balladen singen, sondern auch einen starken Charakter entwickeln, der seinem Freund und König bis zum bitteren Ende die Treue schwört. Perfekt besetzt wurde zudem die Rolle des Loth von Orkney mit Christian Schöne, der stimmstark und mit enormer Bühnenpräsenz Artus’ Widersacher mimt. Und auch Thomas Hohler kann als Sir Gareth – insbesondere in den Kampfszenen – vollends begeistern.

Doch neben all der optischen Opulenz und den darstellerischen Glanzleistungen darf das Orchester unter der versierten Leitung von Tjaard Kirsch nicht vergessen werden. War Komponist Frank Wildhorn bislang vor allem für seine recht austauschbaren Schmalzballaden bekannt, so ist es ihm gelungen, für "Artus - Excalibur" eine ansprechende Mischung aus zarten Popballaden, harten Rocksongs und keltisch angehauchten Nummern zu komponieren, die von den 26 Musikern in Tecklenburg phänomenal gespielt werden.

Passend zur temporeichen Inszenierung von Ulrich Wiggers treibt Tjaard Kirsch seine Instrumentalisten zu Höchstleistungen an, lässt sanfte Violinenklänge mit wummernden Gitarrenriffs und knackigen Drumlines verschmelzen und webt so einen unsagbar schönen Klangteppich, mit dessen Ohrwürmern das Publikum in die Sommernacht entlassen wird.

Text: Dominik Lapp

 

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